Wenn der Akku Deutschlands im Schwarzwald steht: Stiftung Klimaneutralität zu Gast beim Kavernenkraftwerk Wehr
Es ist eine Technik, die es seit rund hundert Jahren gibt, die in der öffentlichen Debatte um Energiewende aber lange ein Nischendasein fristete: der Pumpspeicher. Zu unspektakulär, zu teuer im Bau, zu sehr mit der Atomkraft verbunden, die es einst mit einspeicherte – so lautete lange das Urteil, gerade in der grünen Szene. Wie sehr sich diese Rolle inzwischen gewandelt hat, konnte sich jetzt eine Delegation der Stiftung Klimaneutralität um deren Direktoren Silja Pieh und Thomas Losse-Müller beim Besuch des Kavernenkraftwerks Wehr ansehen. Organisiert hatte den Termin die Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD) – für sie gehört solcher Austausch zwischen Berliner Klimapolitik und regionaler Energiepraxis zu ihrer Rolle als Staatssekretärin.
Das Kavernenkraftwerk Wehr, tief im Fels gelegen und über einen langen Zufahrtsstollen erreichbar, zählt zu den leistungsfähigsten Pumpspeicheranlagen Europas. Sein Prinzip: Wasser fließt zwischen einem Becken im Tal und einem deutlich höher gelegenen Speicherbecken auf dem Hornberg. Wird Strom gebraucht, treibt das abfließende Wasser Turbinen an; ist Strom im Überfluss vorhanden, pumpen dieselben Maschinen das Wasser wieder nach oben.
Was sich verändert hat, ist die Funktion dieses Kreislaufs im Netz. Früher pumpten die Anlagen vor allem nachts Wasser hoch, um überschüssigen, günstigen Atomstrom zu speichern – ein Umstand, der Pumpspeicher in Teilen der Umweltbewegung in Verruf brachte. Heute speichern sie vor allem den Solarstrom-Überschuss der Mittagsstunden, wenn die Photovoltaik-Erzeugung oft höher ist als die Nachfrage, und geben ihn später am Tag wieder ab – ein Muster, das für die Stabilität des deutschen Stromnetzes an sonnigen Tagen eine wachsende Rolle spielt. Für die kommenden Jahre plant die Schluchseewerk AG zudem eine umfassende Ertüchtigung ihrer Anlagen mit einem Investitionsvolumen im hohen dreistelligen Millionenbereich.
Für Silja Pieh und Thomas Losse-Müller war der Besuch ein Beleg dafür, dass eine über neunzig Jahre alte Technologie in der heutigen Energiewelt eine neue Bedeutung gewinnt: als einer von mehreren Bausteinen, die es für ein stabiles Stromnetz mit viel Wind und Sonne braucht. Schwarzelühr-Sutter betonte, dass es bei der Energiewende nicht um die eine Lösung gehe, sondern um das Zusammenspiel unterschiedlicher Speichertechnologien: „Pumpspeicher, Batterien, Wasserstoff – wir brauchen alle Bausteine, und Wehr zeigt, dass der älteste davon noch lange nicht ausgedient hat.“ Genau diesen Eindruck, sagte sie, nehme die Delegation jetzt mit zurück nach Berlin.
Der Besuch in Wehr war eine von mehreren Stationen, die die Stiftung Klimaneutralität im Wahlkreis von Rita Schwarzelühr-Sutter besuchte. Dazu zählten auch die August Weckermann KG in Eisenbach, wo ein Elektrolyseur überschüssigen Solarstrom in Wasserstoff verwandelt und speichert, sowie der im Bau befindliche Redox-Flow-Batteriespeicher der Flexbase Group im schweizerischen Laufenburg, der nach Fertigstellung der größte seiner Art weltweit sein soll.
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Fotorechte: Schluchseewerk AG

