Vom Joghurtbecher zum nachhaltigen Mehrwegprodukt: Staatssekretärin besucht Vogt-Plastic GmbH in Rheinfelden

Beim Besuch der Vogt-Plastic GmbH erhielt SPD-Politikerin und Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter Einblicke in die praktische Umsetzung moderner Kunststoff-Kreislaufwirtschaft. Im Mittelpunkt standen die Herausforderungen des Recyclings sowie mögliche Chancen. Politik und Wirtschaft waren sich einig, dass der Dialog miteinander wichtig ist.

Kunststoff zwischen Alltag und Kreislaufwirtschaft

 

Der Joghurtbecher gilt seit den 1980er Jahren als Symbol der deutschen Recyclingdebatte. Aus den damaligen Diskussionen über Einwegverpackungen entwickelte sich schrittweise das heutige System der Kreislaufwirtschaft, das ökologische, technologische und industriepolitische Fragen verbindet.

Schwarzelühr-Sutter betonte die Bedeutung internationaler Initiativen wie eines globalen Plastikabkommens sowie der europäischen Verpackungsregeln. „Wir müssen die gesamte Wertschöpfungskette und den Lebenszyklus von Kunststoffen in den Blick nehmen“. Vogt-Plastic verwies auf die Bedeutung von Kunststoffen für viele alltägliche Anwendungen. Entscheidend sei nicht der Verzicht, sondern ein verträglicher Umgang mit dem Material.

 

Standort und Dimension der Verarbeitung

 

Der Unternehmensstandort in Rheinfelden zählt zu den bedeutenden Anlagen für die Aufbereitung von Kunststoffverpackungen in Deutschland. Jährlich werden rund 80.000 Tonnen Gelber-Sack-Abfälle verarbeitet, die aus Haushalten von etwa 2,5 Millionen Menschen im Südwesten stammen.

 

Unterschiedliche Materialien, unterschiedliche Kreisläufe

 

Während bei PET nur das Recycling von Getränkeflaschen gut funktioniert und dort sogar eine geschlossene Kreislaufführung möglich ist, kann PE oder PP unabhängig aus welcher Anwendung es stammt problemlos recycelt werden. Der Wiedereinsatz im Lebensmittelbereich ist hier jedoch nicht sinnvoll zu erreichen. Es bietet sich stattdessen eine Nutzungskaskade an, d. h. der zurückgewonnene Kunststoff kann noch mehrmals für die Herstellung anderer hochwertiger und meist deutlich langlebigerer Produkte verwendet werden.

 

Technischer Prozess der Anlage

 

Die Anlage arbeitet vollständig automatisiert. Der Recyclingprozess gliedert sich in vier Schritte: Zerkleinern, Waschen, Trennen und Granulieren. Dabei werden neben Kunststoffen auch Aluminium, Eisenmetalle, Kartonagen sowie Fehlwürfe wie Gummi aussortiert. Rund 30 Prozent der Inhalte im Gelben Sack gelten als Fehlwürfe. Dazu zählen unter anderem auch Batterien und Akkus, die im Verarbeitungsprozess ein Sicherheitsrisiko darstellen können.

 

Regulierung und Rahmenbedingungen in der Praxis

 

Das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit treibt gemeinsam mit der EU den Ausbau der Kreislaufwirtschaft konsequent voran. Zentrale Instrumente sind dabei die Weiterentwicklung der erweiterten Produzentenverantwortung, die Umsetzung der europäischen Verpackungsverordnung sowie die geplante weitere Anhebung von Recycling- und Rezyklateinsatzquoten im Rahmen des europäischen Green Deals.

 

„Wir werden mit der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie dafür sorgen, dass deutsche Unternehmen der Kreislaufwirtschaft im internationalen Wettbewerb bestehen können. Es geht dabei um Chancen auf weitere Marktanteile und Exporte“, betonte die Staatssekretärin.

 

Ein besonderer Fokus liegt auf der künftigen europäischen Verpackungsverordnung, die darauf abzielt, Verpackungsabfälle deutlich zu reduzieren und den Einsatz von Recyclingmaterial verbindlicher zu gestalten. Parallel dazu arbeitet die Bundesregierung an einer Weiterentwicklung nationaler Strategien zur Kreislaufwirtschaft, die stärker auf Ressourcenschonung, Design-for-Recycling und höhere Sortier- und Recyclingeffizienz ausgerichtet sind.

 

Vogt-Plastic brachte dabei die Erfahrungen aus dem industriellen Alltag ein und verwies darauf, dass ein verlässlicher ordnungspolitischer Rahmen einer kleinteiligen Industriepolitik vorzuziehen ist. Einigkeit bestand darin, dass in Deutschland seit den 90er Jahren sehr vorteilhafte Bedingungen für die Entwicklung des Kunststoffrecyclings bestehen und dadurch mittlerweile eine weltweite Führungsrolle eingenommen werden kann.

 

Energie

 

Das Unternehmen wies darauf hin, dass seit einigen Jahren eine Benachteiligung gegenüber den Erzeugern von Kunststoffneuware bestehe, was völlig konträr zur eigentlich angestrebten Förderung der Kreislaufwirtshaft stehe. Diese ergebe sich aus einer Schlechterstellung bei Privilegien im Bereich der Stromumlagen. Schwarzelühr-Sutter unterstrich, dass Recycling ökologisch sinnvoll und zugleich wirtschaftlich tragfähig bleiben müsse, um mittelständische Unternehmen langfristig zu stärken.

 

Unternehmensentwicklung und wirtschaftliche Bedeutung

 

Vogt-Plastic hat sich aus einem landwirtschaftlichen Nebenbetrieb zu einem mittelständischen Industrieunternehmen entwickelt. Der heutige Jahresumsatz beträgt rund 120 Millionen Euro, das Unternehmen beschäftigt ca. 400 Mitarbeitende an verschiedenen Standorten in Deutschland.

Das Unternehmen verarbeitet Kunststoffabfälle zu Regranulat, das unter anderem für neue Verpackungen, Rohre, Haushaltswaren und industrielle Produkte eingesetzt wird. Die Qualität des Recyclats ermöglicht inzwischen Anwendungen, die früher nur mit Neuware möglich waren.

 

Gemeinsames Ziel

 

Es wurde deutlich, dass hohe Recyclingquoten nicht nur die Umwelt schonen, sondern Deutschland und Europa unabhängiger von Importen machen. Entscheidend bleibt, dass der Einsatz von Recyclingmaterial den Bedarf an Primärkunststoffen reduziert. Der Austausch in Rheinfelden zeigte damit: Politik und Industrie verfolgen das gemeinsame Ziel einer funktionierenden Kunststoff-Kreislaufwirtschaft.

Für Rita Schwarzelühr-Sutter ist klar: „Recycling funktioniert nur dann, wenn Politik, Industrie und Verbraucher gemeinsam an einem funktionierenden Kreislauf arbeiten. Wir alle können dabei täglich mithelfen“.

 

 

Das Foto zeigt von links: Manfred Lütte (Kaufmännischer Leiter), Dr. rer. nat. Fabian Lüth (Technischer Vertrieb), Dominik Vogt (Geschäftsführer), Rita Schwarzelühr-Sutter, Markus Rossol (Leitung Technischer Vertrieb), Hanspeter Böhler (Entsorgungsmanagement), Andreas Vogt (Geschäftsführer)